Pionierinnen der Forschung – Wen kennen Sie?
Die Reihe „Pionierinnen der Forschung“ im Projekt BESSEr@KIT macht sichtbar, wie viele bedeutende Wissenschaftlerinnen, Denkerinnen und Vorbilder in der öffentlichen Wahrnehmung fehlen. In inzwischen 75 Episoden werden Frauen aus Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft vorgestellt und mit Fragen nach Sichtbarkeit, Benachteiligung und Vorbildern verbunden. Die Reihe hat nicht nur Resonanz bei Studierenden ausgelöst, sondern auch Austausch mit weiteren Akteur*innen angestoßen.
Warum weibliche Vorbilder sichtbar werden müssen
Alle kennen Marie Curie oder Emmy Noether. Aber wie sieht es mit Rosalind Franklin aus? Immerhin entdeckte sie die Doppelhelix-Struktur der DNA. Der Instagram-Post unseres Projekts BESSEr∂KIT zum „Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“ im Februar 2025 löste viele positive Reaktionen aus: Zahlreiche Studentinnen freuten sich darüber, dass endlich einmal Female Role Models aus der Wissenschaft thematisiert werden. Uns wurde klar: Hier können und müssen wir mehr zeigen!
Die Idee hinter der Reihe
Die regelmäßige Reihe „Pionierinnen der Forschung – der Matilda Effekt“ stellt bedeutende weibliche Wissenschaftlerinnen, Forscherinnen und Persönlichkeiten vor. Den Matilda Effekt, benannt nach Matilda Joselyn Gage, erklären wir in der ersten Episode und stellen die Namensgeberin vor. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Wie gingen und gehen Wissenschaftlerinnen mit erfahrener Benachteiligung um? Welche Empfehlungen sprechen sie aus und welche Netzwerke gibt es? Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Fächervielfalt, unterschiedlichen Herkunftsregionen und auf dem Einsatz für weibliche Leistung und Anerkennung.
75 Episoden über Wissenschaft und Vielfalt
Die Reihe „Pionierinnen der Forschung“ soll weiblichen Studierenden des KIT zeigen, dass auch sie in der Wissenschaft erfolgreich sein können – trotz aller Hürden und Hindernisse. Von Johanna Kappes, Thekla Schild und Irene Rosenberg als Karlsruherinnen über deutschlandweite Vertreterinnen wie Hannah Arendt, Erika Cremer und Eva von Redecker hin zu weltweiten Berühmtheiten wie Chien-Shung Wu, Makereti Papakura, Lina Khan und Wangari Maathai stellten wir in insgesamt 75 Episoden weibliche Ikonen und Organisationen aus der Wissenschaft vor. Beispielhaft ist hier die Organisation „Atom*innen“ von Mitbegründerin Francesca Ferlaino zu erwähnen, eine Plattform zu Vernetzung, Mentoring und Sichtbarkeit.
Zu besonderen Tagen erschienen Sonderepisoden, etwa zur Woche der Nachhaltigkeit mit der Physikerin und Klimatologin Friederike Otto, oder dem IDAHOBIT (International Day Against Homophobia, Biphobia, Interphobia and Transphobia) mit Emma Trosse, Georgina Beyer und Rita Nketiah. Zur alljährlichen Nobelpreisverleihung gab es ebenfalls Informationen. So ist der Anteil weiblicher Nobelpreisträgerinnen bei gerade einmal 6,58%, ein Großteil davon in den Kategorien Frieden und Literatur.
Mehr als klassische Literatur
Doch auch über die „klassische“ Wissenschaft hinaus stellten wir Persönlichkeiten vor. Hedy Lamarr war als Schauspielerin bekannt, schuf aber die Grundlage für alle heute genutzten digitalen Übertragungen wie WLAN, Toni Morrison war als Schriftstellerin und Professorin aktiv für die Gleichstellung von POC (People of Color), Faye Schulman war eine Partisanin und Fotografin im Zweiten Weltkrieg und Henrietta Lacks war die unfreiwillige Spenderin der ersten immortalisierten Zelllinie, welche die Grundlage für einen Großteil der aktuellen Zellforschung darstellt.
Auch das UNESCO-Institut für Statistik und die OECD erheben regelmäßig Daten zum Frauenanteil in der Wissenschaft oder in der Bildungswelt weltweit.
Laut einer UNESCO-Statistik liegt der Frauenanteil weltweit bei unter 30 Prozent, in manchen Weltregionen sogar unter 20 Prozent. In Europa haben nur wenige Länder Geschlechterparität, Deutschland liegt innerhalb der EU weiter fast am Ende der Liste.
Die Studie der OECD fokussiert sich auf die Perspektive „Bildungswelt“. In einer aktuellen Veröffentlichung aus dem Jahr 2026 wird erläutert, dass speziell in den Karrierewegen der Forschung, der Beschäftigungsbedingungen und der internationalen Mobilität sich geschlechtsabhängige Unterschiede zeigen4 .Die OECD fasst zusammen: „Wenn Frauen unterrepräsentiert sind, sind ihre Fähigkeiten, Perspektiven und Führung weniger präsent in der Gestaltung des technologischen Wandels und der kommerziellen Innovation.“
Was die Reihe am KIT bewirken soll
Unter anderem durch diese Reihe begann auch der Austausch zu diesen und übergeordnete Themen mit vielen aktuell aktiven Personen. Dazu zählen Lisa Niendorf, der Landesfrauenrat Baden-Württemberg und weitere Stimmen aus der Literatur. Sie setzen sich alle mit Inklusion und Sichtbarmachung marginalisierter Frauen und anderer LGBTQIA+-Personen ein.
Fazit: Sichtbarkeit schafft Zugehörigkeit
Die Reihe und der darauf aufbauende Austausch haben uns gezeigt, dass wir ein wichtiges Thema angesprochen haben, dem wir gerne mehr Raum gegeben haben. Geschlecht, Herkunft, Glaube, sexuelle Orientierung oder Beeinträchtigungen dürfen keinen Einfluss auf den Erfolg haben. Für die Zukunft wünschen wir uns, dass wir am KIT dem Thema und den darin liegenden Herausforderungen den entsprechenden und notwendigen Raum geben.
Mehr Informationen
Mehr Informationen zum Projekt BESSEr@KIT und zu „Pionierinnen der Forschung“ finden Sie unter https://s.kit.edu/besser oder bei Instagram unter @besserkit (in den Highlights sind die „Pionierinnen der Forschung“ abrufbar). Bei weiteren Fragen erreichen Sie das Projektteam, bestehend aus Jan-Michael Fritz und Nadja Legrum-Khaled, unter besser∂stab.kit.edu.






