Studium - ist doch eezi!

Das Einführungsmodul eezi unterstützt Erstsemesterpersonen der KIT-Fakultät für Informatik beim Ankommen im Studium und fördert Orientierung, Zugehörigkeit und Chancengerechtigkeit. Es kombiniert Vorlesungen, Tutorien, Übungsformate und persönliche Begleitung mit Themen wie Lernstrategien, Studienorganisation, Finanzierung und mentaler Gesundheit. Besonders profitiert eine heterogene Studierendenschaft, da eezi unsichtbare Hürden abbaut und Informationen gezielt im richtigen Moment vermittelt. Durch die nachhaltige Verankerung im Semester stärkt das Modul Selbstwirksamkeit, Vernetzung und Studienerfolg.

Schreibtisch mit gestapelten Heften, einem Stift einem blauen Federmäppchen und Arbeitsblättern mit Aufgaben https://www.pexels.com

Ein Modul für Orientierung und Zugehörigkeit

Das Einführungsmodul eezi der KIT-Fakultät für Informatik soll Zugehörigkeit schaffen, Barrieren abbauen und schon in der Studieneingangsphase das Fundament für ein erfolgreiches Studium legen. Entstanden aus dem KIT-Projekt „Studienlotsen, Mentoring und entschleunigte Studienpläne“ im Rahmen des MWK-Fonds „Erfolgreich Studieren in Baden-Württemberg“ begleitet eezi seit dem Wintersemester 2016/17 Bachelor-Erstsemesterperson in der Studieneingangsphase. Ziel ist es, von Beginn an akademische, soziale und persönliche Orientierung zu geben – und Vielfalt aktiv zu fördern.


Struktur, die trägt

Studienerfolg hängt nachweislich nicht nur von Fachwissen ab, sondern ebenso von sozialer Einbindung, gut zugänglichen Informationen, Lernverhalten mit Selbstreflektion und dem Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Gerade zu Beginn prallen neue Lernumgebungen, Netzwerke, Eigenverantwortung und psychosoziale Belastungen aufeinander. Die Anfänge des Mentoringformats zeigten schnell: Viele kennen Methoden wie Zeitmanagement oder Lernstrategien, setzen sie aber ohne strukturierten Rahmen nicht um. eezi schafft diese Kontinuität – mit geschützten Räumen zum Ausprobieren, Feedback und Transfer in den Studienalltag.
Über das Wintersemester kombiniert eezi drei Vorlesungen zur Orientierung mit fünf Tutorien und fünf Übungsblättern samt individuellem Feedback. Ein Check-in mit den Tutor:innen sowie ein Beratungsgespräch bei der Organisatorin Christine Glaubitz sichern persönliche Begleitung. Die Themen reichen von Lern- und Selbstmanagement über Uni-Strukturen und Tools bis zu sensiblen Aspekten wie Studienfinanzierung, Nachteilsausgleich, mentaler Gesundheit und Impostor-Syndrom.* Ein Schwerpunkt liegt auf dem Erwartungsmanagement: Was erwarte ich vom Studium – und was erwartet das Studium von mir?

Vielfalt als Schlüssel

Besonders deutlich wird der Beitrag zur Diversity-Förderung. eezi adressiert unsichtbare Hürden, die heterogene Gruppen besonders treffen: First-Gen-Studierende, internationale Studierende, Menschen mit Beeinträchtigung, LGBTQIA+ oder Studierende mit begrenzten Ressourcen. Informationen werden „just in time“ bereitgestellt, sodass nichts Entscheidendes untergeht – auch für jene, die die informellen Regeln der Hochschule noch nicht kennen. Seit 2023 bietet ein englischsprachiges Tutorium auch Studierenden mit Deutsch als Zweitsprache eine zusätzliche Brücke: weniger Druck, weniger Missverständnisse, mehr Vernetzung und Ankommen.

Auch die didaktische Gestaltung fördert Vielfalt wirksam. Tutor:innen aus höheren Semestern agieren als Coaches auf Augenhöhe, nicht als reine Lehrpersonen. Sie moderieren divers zusammengesetzte Gruppen, geben konstruktives Feedback, sprechen sensible Themen behutsam an und schaffen eine sichere Umgebung, in der Fehler explizit als Lernschritte gelten. Dabei schärfen sie ihre eigene Diversity-Kompetenz: Sie reflektieren Wissenslücken zu Lebensrealitäten anderer und lernen, inklusiv und wertschätzend zu kommunizieren. Diese Peer-Leadership stärkt die Beteiligten auf beiden Seiten: Studierende erfahren Zugehörigkeit und Orientierung, Tutor:innen entwickeln Coaching-, Kommunikations- und Führungskompetenzen, die weit über das Studium hinauswirken.

Nachhaltige Integration

Was eezi von klassischen O-Phasen, die im Student Life Cycle auch ihre Berechtigung haben, unterscheidet, ist die nachhaltige Verankerung im Semester. Informationen kommen nicht auf Vorrat, sondern genau dann, wenn sie gebraucht werden. Übungen machen Fortschritte sichtbar, stärken Selbstwirksamkeit und helfen, Routinen aufzubauen. Das Setting ist direkter als reine Lehre und zugleich professioneller gerahmt als informelle Peer-Formate. Die Anerkennung als überfachliche Qualifikation mit 1 ECTS signalisiert: Reflexion und Navigationskompetenz sind integraler Bestandteil des Studienerfolgs. „Ich bin nicht allein“ – dieses Fazit zieht sich durch Rückmeldungen. Teilnehmende berichten von Struktur im Alltag, weniger Angst, neu entstandenen Lerngruppen und einem Wechsel vom „Stoff in sich hineinstopfen“ zu planvollem Lernen. Besonders geschätzt wird die kuratierte Übersicht über Anlaufstellen, weil sie das ständige Gefühl beseitigt, etwas zu übersehen.

Getragen von Kooperation und Weiterentwicklung

Getragen und stetig weiterentwickelt wird eezi von Christine Glaubitz, die das Programm konzipiert, koordiniert und Qualität sichert – mit dem Anspruch, jede teilnehmende Erstsemesterperson mindestens einmal persönlich gesprochen und individuell unterstützt zu haben. Die Tutor:innen gestalten in enger Abstimmung mit ihr die Tutorien, Übungen und Teile der Vorlesungen. Das ISS-Team wirkt im Hintergrund mit, Professor:innen und wissenschaftliche Mitarbeitende bringen in Gastbeiträgen ihre Erfahrungen ein. Diese Zusammenarbeit schafft genau jene Netzwerke, die eezi auch bei den Studierenden fördern will.

Anerkennung und Ausblick

Die Anerkennung von außen bestätigt den eingeschlagenen Kurs: Im vergangenen Jahr wurde eezi mit dem Diversity-Preis des Fakultätentags Informatik ausgezeichnet – als Würdigung für niedrigschwellige Zugänge, zweisprachige Öffnung und die systematische Förderung von Reflexion und Selbstmanagement. Perspektivisch soll das Modul noch stärker im Studienplan verankert, die englischsprachige Schiene ausgebaut und das Angebot offen für akademische wie kulturelle Veränderungen gehalten werden.

eezi ist mehr als ein Einführungsmodul: Es gibt in unsicheren Phasen klare Struktur, schafft Räume der Zugehörigkeit und ermutigt Studierende, ihre Stärken zu nutzen. So wird eezi zum strukturgebenden Element der Studieneingangsphase, fördert Vielfalt und Chancengleichheit und erhöht Zugehörigkeit, Motivation und Fähigkeit zum Durchhalten und Studienerfolg – unabhängig von den Startvoraussetzungen

* Impostor Syndrom: „Die Situation, in der hochkompetente, erfolgreiche Personen paradoxerweise glauben, Betrüger zu sein, die letztlich scheitern und als inkompetent entlarvt werden.“ Das Phänomen wurde ursprünglich bei Studentinnen beschrieben, die trotz exzellenter Leistungen ihre Erfolge auf Zufall oder Irrtum zurückführten. Spätere Studien zeigten, dass es Menschen aller Geschlechter betrifft.
– APA Dictionary of Psychology

 

 

Gruppenfoto bei der Preisverleihung von eezi auf dem Informatik Festival 2025. Sechs Personen stehen nebeneinander vor einer blau-grünen Veranstaltungswand, einige tragen Medaillen, eine Person hält eine Urkunde.Mike Auerbach / GI

Preisverleihung von eezi 2025